Noch in den lauen vor-Sommernachmittagen spüre ich das Herzrasen vor dir
und dem neuen Tag.
Und auch in den kalten vor-Winternächten spüre ich die Freiheit, die den vergangenen Abenden innewohnte.
Jedes Telefonklingeln, jede Unterschrift vor der Flucht ins Ungewisse - Hauptsache Flucht -
jedes Türschlossklackern, jedes Geräusch von Autoreifen über den sorgsam gepflegten Kies, der unseren Nachbarn doch so viel mehr wert war, als Kindergeschrei und ihre wellenden Folgen.
Unter Stockholmsyndrom-Angst und verzweifelter Emanzipation den eigenen Weg auf dieser gottverdammten Erde zu finden treiben mich die Wellen immer wieder zurück aufs Festland.
Dort wo ich gefangen bin.
Die Gedanken-verbleiben-verloren-Seiten liegen unter den Was-bleibt-von-mir?-Papierfetzen.
Links daneben vertreiben sich ein paar lose verteilte Wird-schon-wieder-Blätter.
Und auch die fein säuberlich aufgereihten Was-wäre-wenn-ich-aus-meiner-Haut-könnte?-Analogien dürfen hier nicht fehlen.
Flankiert werden diese nur noch von den leicht knittrigen Hey-du-da,-ja-du-da-fehlst-mir-Plattitüden auf Umweltpapier.
Auf der rechten Seite fristen die hastig notierten Bitte-höre-mir-zu- und Danke-für-deine-Akzeptanz-Notizzettel ihr Dasein.
Vor dieser doch seltsam anmutenden Szenerie treibt die Ich-mag-es-nicht-aufzutauen-und-sich-gleich-wieder-verabschieden-zu-müssen-Seite, die den kleineren Auch-wenn-ich-nicht-so-viel-sagen-kann-brauche-ich-euch-Block, mit den Eselsohren ab Seite Vier, gekonnt verdeckt.
Und auf allen Seiten, so ganz weit oben und für jedermensch lesbar, stapeln sich die Instruktionen der Letzter-Strohhalm-auf-verlorenem-Posten-Maschine-Bedienungsanleitung.
Zum Glück sind diese noch nicht vergilbt.
Und die Handschuhe sorglos am Boden,
und die Gefahrenspots gleich in der Nähe,
und die Hubschrauber zu den Köpfen,
und die Brandwunden in der Hosentasche,
und die Streichinstrumente am Ende des Flusses,
und die Zwillen auf den Häuserdächern,
und die Zipperjacken im Genick,
und die Sorgsamkeit zum Frühstück,
Soll es sein, dass ich wie so oft bei jedem unbeinflussbaren Scheißtag einen USB-Stick kaufe, um einen Teil meines Lebens darauf zu bannen, es förmlich zu konservieren, einen so kleinen unbedeutenden Teil aufzubewahren, zu retten?
Auch ein Hallo voll freudiger Erwartung an dich, du schnöder-schöner Frühlingsmorgen!
Lässt uns zwieträchtig und ambivalent an deinen wärmenden ersten Sonnenstrahlen teilhaben,
aber die hinterlistie Kälte überkommt uns dann doch - spätenstens, wenn wir uns das Kaltlicht der Fernseher entgegensetzen. Trotzdem danke, dass wir auf eh und jeh die Hoffung in uns ausbilden, das der kommende Sommer besser und besser wird.
Du wirst mein Meisterstück, machst den Meister verrückt,
du bist das Meisterwerk, das vielleicht einen Lebensweg teert.
Diese scheinbaren Sommertage mit ihrem langen Ausschlafen, mit ihrem Kreissägenlärm, mit
ihren auf der Haut prickelnden Strahlen, mit ihrem Vogelgezwitscher, mit ihrem Gefühl,
nichts mit dem frischen Tag anfangen zu können, dieses Gefühl, nach der dritten Stunde in
die Ferien entlassen zu werden; damals als es keine größeren Probleme gab, als gute Noten
zu schreiben und das Zimmer regelmäßig aufzuräumen.
All die ausgelesenen Bücher stapeln sich verloren über dir; das feline Wesen zu deiner
Seite scheint den einzigen Empfänger für deine Sehnsuchts- und Suche-nach-Verständnis-
und-Geborgenheitswellen zu haben und von allen Menschen dieser Welt wirst du nicht das
verlangen wollen, was du nun am allerliebsten herausschreien möchtest.
Ich suche das Ohr, das Herz, den Mund, die Schulter, das Taschentuch, das Bettlaken, das mich vor dem Fallen schützt. Ich suche dich, als Freund, als Zuhörer, als Verständnisgeber. Ich such das, was ich seit zehn Jahren nicht mehr hatte. Ich suche, den Advisor, den Vater, den Wegweiser, den, der mir die Hand hält und mich versteht. Sag Freund, wo bist du?
Ich brauche das Gefühl, mich richtig ausdrücken zu können, zu dürfen, Ich sein.
Ich habe keine Lust mehr auf diese gottverdammten Selbstgespräche, denn diese drehen sich im Kreis. „Geteiltes Leid ist auch scheiße. Aber nicht mehr ganz so schlimm.”